Mein Wunsch, mich selbstständig zu machen, hat sich schon in den Nuller-Jahren geformt.
Diesen habe ich damals dann auch als Klein(st)unternehmerin mit Shiatsu umgesetzt. Allerdings habe ich mich nie als Shiatsu-Praktikerin vorgestellt, sondern immer mit meinem Teilzeitjob. Wenig überraschend war ich damals nicht besonders erfolgreich und als sich dann die Möglichkeit für eine berufliche Entwicklung als Angestellte bot, habe ich diese angenommen und Shiatsu an den Nagel gehängt.
Der Wunsch nach Selbstständigkeit hat mich trotzdem nie verlassen und die Überlegung, womit ich diesen Schritt schaffen könnte, war immer präsent. Nachdem mir keine Idee spannend genug erschien, habe ich mir immer mehr Zeit gelassen – bis mir das Universum einen Wink mit dem Zaunpfahl gegeben hat.
Diesen habe ich verstanden und die nächstliegende Idee umgesetzt – mit dem Wissen, dass diese für mich nur eine Übergangslösung darstellt.
Die extra Schleifen
Seit meiner Gründung vor 1,5 Jahren habe ich nun mein Business bereits drei Mal komplett umgekrempelt und mich immer wieder neu erfunden. Mich selbst bei dieser Entwicklung zu beobachten war spannend und ich war zum Glück immer im Vertrauen, dass sich alles ergeben wird, wie es sein soll. Aber wirtschaftlich betrachtet (und auch sonst) war das nicht besonders vernünftig.
Wenn du jetzt also auch an dieser Gabelung stehst, ob selbstständig oder nicht, aber nicht weißt, womit du am besten gründen sollst, dann kann dir dieser Artikel vielleicht helfen.
Sollten deine finanziellen Reserven beschränkt sein und du keine extra Schleifen drehen wollen, empfehle ich dir aus persönlicher Erfahrung, Zeit zu investieren, um Klarheit zu gewinnen.
Ja, es ist natürlich spannend, eigene Erfahrungen zu machen und daraus zu lernen, aber ich würde dir meinen Weg nicht unbedingt ans Herz legen. Schon gar nicht, wenn du die Tendenz hast, dich in Gedankenspiralen zu verlieren und in Panik zu verfallen. 😉
Womit also starten?

Die innere Bestandsaufnahme: Deine natürlichen Stärken
James Clear, der Autor von Atomic Habits (Die 1 % Methode) hat in seinem Newsletter einmal geschrieben, dass die wirklich guten Ideen jenseits der Langeweile liegen.
Insofern nimm dir für diese Fragen ausreichend Zeit – mindestens fünf Minuten je Frage. Schreibe alles, was dir dazu einfällt auf. Stelle dir einen Timer und bleibe für die gesamte Zeit bei der Frage.
Schritt 1: Der Rückblick
Gehe in deinem Leben zurück, starte im Jetzt und ende in deiner Kindheit:
- Bei welchen Tätigkeiten vergisst du die Zeit?
- Wofür kommen Freunde und Familie zu dir, wenn sie Hilfe brauchen?
- Was fällt dir leichter als anderen?
- Bei welchen Gesprächen wirst du richtig lebendig?
Schritt 2: Die Außensicht
Frage mindestens drei Menschen aus unterschiedlichen Beziehungsverhältnissen (Freund:innen, Kolleg:innen (Uni, Job, Sportverein, Töpferkurs, …), Geschäftspartner:innen etc.), die dich gut kennen:
“Wenn dich jemand anderer nach meinen Stärken fragt: Was würdest du sagen?”
Schritt 3: Die Emotionen
Auch bei diesem Schritt kannst du wieder in deiner Geschichte zurück gehen und alte Erinnerungen ausgraben. In jedem Fall reflektiere fünf Minuten je frage:
- Was ärgert dich regelmäßig? (Bei anderen Menschen, in der Gesellschaft, in deinem Umfeld)
- Wobei denkst du: „Wenn ich könnte, würde ich das anders machen?“
- Welche Geschichten von anderen bewegen dich besonders?
Überspringe keine der Schritte und frage auch wirklich zumindest drei Menschen. Es reicht nicht, was du glaubst zu wissen, was andere denken. Nimm dir Zeit und lass auch die Erkenntnisse setzen. Wiederhole gegebenenfalls die bisherigen Schritte noch einmal an einem anderen Tag. Erst dann gehe weiter zur nächsten Aufgabe.
Finde dein Ikigai
Ikigai kommt aus dem Japanischen und bedeutet so viel wie Sinn des Lebens.
Hintergrund ist, ein erfülltes und glückliches Leben zu führen.
Das Konzept ist ganz simpel und es gibt viele Anleitungen im Internet. Hier ist eine davon, die ich durchaus empfehlen kann.
Im Zentrum stehen vier Fragen, die du jeweils umfassend beantwortest. Sie drehen sich um deine Leidenschaft (Passion), Berufung (Vocation), Aufgabe (Mission) und Beruf (Profession):
- Was liebst du?
- Was kannst du gut?
- Was braucht die Welt?
- Womit kannst du Geld verdienen?
Daraus bilden sich Schnittmengen. Ziel ist es, herauszufinden, welche der Antworten passen auf alle vier Fragen.
Wenn du diese hast, kannst du darauf aufbauend überlegen, ob und wie du das für deine Selbstständigkeit nutzen kannst.

Verbinde, mixe und kreiere
Sollten bei deinen bisherigen Reflexionen verschiedene, scheinbar widersprüchliche Stärken, Talente, Kompetenzen und Leidenschaften zum Vorschein gekommen sein, so stellt sich jetzt weniger die Frage, mit welcher du weitermachen sollst, als vielmehr die Frage:
“Wie kann ich diese verknüpfen, wie können sie zusammenspielen und sich ergänzen?”
Was dich einzigartig in der Welt macht, sind all diese Eigenschaften vereint in einer Person. Wenn du diese in einem Angebot kombinieren kannst, hast du deinen Alleinstellungsmerkmal gefunden.
Überlege somit, wie du all deine Fähigkeiten strategisch kombinieren kannst:
- Kern definieren: Wohin zieht es dich am meisten? Was kann das Herz deines Angebots darstellen?
- Ergänzungen planen: Wie kannst du dieses um deine anderen Kompetenzen und Interessen sinnvoll anreichern?
- Variantenreichtum: Sollten dir im Zuge der Überlegungen auch mehrere Varianten einfallen: Auch das ist gut. Du musst dich zunächst nicht festlegen.
Auch hier nimm dir wieder Zeit und lass die Ergebnisse wirken. Schlafe darüber und lass dich von deinen bisherigen Ideen an einem anderen Tag noch einmal inspirieren – frei von Urteil, ergebnisoffen.

Von der vagen Idee zum konkreten Angebot
Wenn du durch Ikigai und eventuelle Kombinationen eine Richtung gefunden hast, die sich stimmig anfühlt, entwickelst du daraus dein erstes Angebot:
Schritt 1: Zielgruppe definieren
- Mit wem möchtest du am liebsten arbeiten?
- Welche Themen, Probleme, Wünsche hat dein idealer Kunde?
- Hat er Geld, Zeit für und das Verlangen nach einer Lösung?
Schritt 2: Deine Stärken und Kompetenzen einsetzen
- Welche Probleme kannst du lösen bzw. Wünsche erfüllen?
- Wie kannst du konkret helfen?
Schritt 3: Die einfachste Lösung entwickeln
- Was wäre ein leicht zu erstellendes Produkt, das du dafür anbieten kannst?
- Kannst du das selbst? Brauchst du Hilfe dafür?
- Setze die Lösung bestmöglich um.
"Fail fast, fail cheap"
Ein Ansatz aus der Start-up-Welt, den man sich auch als Solo-Selbstständige zunutze machen kann: Bevor du viel Zeit und Geld investierst, teste schnellstmöglich deine Idee, um herauszufinden, ob diese auch in der Praxis erfolgreich sein kann.
Experimentiere mit 3 – 5 Menschen aus deiner Zielgruppe:
- Frage sie nach ihrem Problem und ob deine Lösung hilfreich wäre.
- Biete ihnen dein erstes Angebot kostenlos an.
- Beobachte: Verstehen sie sofort, wobei du hilfst?
- Frage nach: Was konkret ist hilfreich? Was fehlt?
Die wichtigen Fragen während des Tests:
- Erzählst du gerne davon oder fühlst es sich anstrengend an?
- Hast du Lust, mehr darüber zu lernen?
- Fühlt sich die Arbeit natürlich an oder wie schwimmen gegen den Strom?
- Siehst du echte Veränderungen bei deinen Test-Klient:innen?
- Würden sie dich weiterempfehlen?
Beachte dabei:
Such dir Menschen, die dein Problem wirklich haben – nicht deine Freunde oder Familie. Online-Gruppen, Foren oder lokale Netzwerke sind oft bessere Anlaufstellen für ehrliches Feedback. Als Energieausgleich für deine kostenlose Dienstleistung bitte um ein Testimonial, das du für deine künftige Website verwenden kannst.
Anpassen und professionalisieren
Nimm die Erkenntnisse aus deinem Experiment und lass diese in deine Angebots-Idee einfließen. Adaptiere, ergänze, baue um – je nachdem, welches Feedback du bekommen hast oder welche Erfahrungen du selbst damit gemacht hast.
Was hat funktioniert? Davon mehr.
Was war schwierig? Das anpassen oder weglassen.
Was hat gefehlt?Ergänze so weit wie möglich.
Bedenke auch: Du musst dich mit deinem Angebot wohl fühlen. Es soll dir Spaß machen, es zu verkaufen, darüber zu reden und es mit anderen Menschen zu teilen. Du solltest stolz darauf sein, was du auf die Beine gestellt hast.
Wiederhole also die Schleife des Kreierens und Experimentierens, bis dein eigenes Gefühl mit dem Feedback von außen übereinstimmt.
Erst wenn du weißt, dass dein Angebot wirklich hilft und Menschen bereit sind, dafür zu bezahlen, investierst du in professionelle Website, Marketing oder größere Projekte.

Der Irrglaube von der perfekten Idee
Speziell wir Frauen warten gerne auf den perfekten Moment, die perfekte Idee, den perfekten Plan. Aber beim Warten und Nachdenken kommen weder Ideen noch Inspiration noch ergeben sich Gelegenheiten. Es vergeht dabei nur Zeit.
Ideen kommen in Fluss, wenn du im Tun bist. Menschen werden durch Geschichten inspiriert. Wenn aktiver du wirst, je mehr du erzählst, desto mehr kommt in Bewegung.
Du musst auch nicht alles sofort richtig machen. Du musst nicht die eine große Idee haben, die die Welt rettet. Du musst nur anfangen – mit dem, was sich heute stimmig anfühlt.
Der Rest entwickelt sich unterwegs.
Und jetzt?
Mag sein, dass das jetzt viel auf einmal ist. Aber geh‘ damit um, wie mit einem Kochrezept: Eine Zutat nach der anderen in der angeführten Reihenfolge.
Nimm dir für jeden Schritt solange Zeit, wie du brauchst. Wichtig ist nur, dass du anfängst, dich mit deinem Wunsch aktiv zu beschäftigen und nicht nur davon träumst.
Diesen Weg zur Ideenfindung kannst du alleine gehen. Wenn du aber das Gefühl hast, dass dir das gerade zu viel ist, kannst du dir zu jedem Zeitpunkt Unterstützung holen. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Weisheit und Weitblick. Wende dich dafür an eine Person, die dich begleiten kann – einen Coach oder Mentor deines Vertrauens. Natürlich helfe auch ich dir gerne weiter. Melde dich einfach bei mir oder buche direkt einen kostenlosen Termin.

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