Selbstzweifel in der Selbstständigkeit: Wenn die innere Kritikerin dich blockiert

„Ich kann das nicht!“

Vier Worte, die uns schon oft gestoppt haben, bevor wir etwas überhaupt probiert haben und somit vermutlich schon mehr Träume zerstört haben als uns überhaupt bewusst ist.

Geht es dabei um ein Hobby, ist das nicht weiter tragisch. Betrifft es aber eine Aufgabe in unserem Business, kann davon unsere Selbstständigkeit gefährdet sein.

Diese Worte kommen nicht von außen, sie entstehen in unserem eigenen Kopf. Und sie melden sich mit schöner Regelmäßigkeit immer dann, wenn wir kurz davor stehen, etwas Neues zu wagen oder etwas, das uns wichtig ist.

Von meinen Kundinnen höre ich immer wieder:
„Ich weiß nicht, ob ich das schaffe!“ oder
„Ich glaube nicht, dass ich dafür so viel Geld verlangen kann!“

Um diesen Aussagen den Wind aus den Segeln zu nehmen, widme ich den folgenden Artikel unserer inneren Kritikerin: Wie du sie erkennen und ihr mit umgehen kannst, um dich nicht von ihr blockieren zu lassen. Dafür beschreibe ich drei Methoden.

Der innere Kritiker in der Selbstständigkeit ist ziemlich laut.
Inhaltsverzeichnis
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    Der Verstand: Die Stimme in unserem eigenen Kopf

    Wer von uns selbstständigen Frauen fragt sich nicht selbst immer wieder mal, ob wir überhaupt gut genug sind? Wir zweifeln an unseren Kompetenzen und vergleichen uns ständig mit anderen – womöglich mit Unternehmerinnen, die bereits Jahre im Business sind und die Erfahrung, frisch selbstständig zu sein, schon längst hinter sich gelassen haben. Dass eventuell ihre Geschäftstätigkeit und Branche nicht mit unseren verwandt sind, lassen wir dabei vollkommen außer Acht.

    „Ich bin noch nicht gut genug!” taucht immer wieder im Kopf auf und dann buchen wir noch einen Kurs, um vielleicht doch endlich gut genug zu werden.
    Was wirklich fehlt, ist aber nicht in einem Kurs, einem Webinar oder einer Ausbildung zu finden. Wir haben noch nicht den richtigen Weg gefunden, dieser kritischen Stimme Einhalt zu gebieten.

    Unsere innere Kritikerin hingegen hat die perfekte Strategie entwickelt: Sie lässt uns endlos perfektionieren, damit wir nie den Schritt in die Sichtbarkeit gehen müssen und uns somit nie dem Risiko aussetzen, abgelehnt zu werden.

    Genial, wenn das Ziel Selbstschutz ist. Verheerend, wenn wir ein Business aufbauen wollen.

    Die innere Stimme als Schutz vor dem Säbelzahntiger.

    Woher kommt dieser innere Saboteur?

    Unser Verstand ist ein Überlebenskünstler. Er hat jahrtausendelang dafür gesorgt, dass wir in der Gruppe akzeptiert bleiben, denn Ausschluss bedeutete früher den Tod.

    Diese Programmierung läuft noch immer. Wenn wir uns sichtbar machen, uns als Expertin positionieren oder Geld für unsere Arbeit verlangen, interpretiert unser Steinzeit-Gehirn das als potenzielle Gefahr, weil wir uns von der unscheinbaren Masse entfernen.

    „Was bildest du dir eigentlich ein, der du bist?“
    „Was, wenn du dich blamierst?“
    „Was, wenn das niemanden interessiert, was du da machst?“

    Bei Frauen kommt noch eine zusätzliche Komponente dazu: Gelernte Rollenbilder und Jahrhunderte der Konditionierung haben uns eingeprägt, dass bescheidene Frauen gute Frauen sind und dass wir ja nicht zu viel Raum einnehmen! Dass Selbstvertrauen bei uns schnell als Arroganz ausgelegt wird, haben wir alle schon einmal selbst erfahren.

    Wir erinnern uns auch gerne an America Ferreras Monolog im Film „Barbie“, in dem uns besonders gut die Widersprüchlichkeiten und Zerrissenheit vor Augen geführt wird.

    Diese Herausforderung, allen Anforderungen gerecht zu werden, spiegelt sich auch in unseren inneren Dialogen wider.

    Die häufigsten Masken des inneren Kritikers

    Die innere Kritikerin ist eine Meisterin der Tarnung. Sie kommt selten als direkter Angriff daher, sondern schleicht sich elegant in unsere Gedanken frei nach dem Motto „Ich mein’s ja gut mit dir!“ ein:

    Die Perfektionistin: „Das ist noch nicht gut genug. Bevor ich starten kann, muss das schon noch besser funktionieren.“
    Die Vergleicherin: „Schau dir die anderen an! Die sind viel professioneller als du!“
    Die Zweiflerin: „Wahrscheinlich braucht das sowieso niemand.“
    Die Bescheidene: „Ich will mich nicht aufdrängen oder lästig sein. Wenn jemand meine Hilfe will, wird er schon fragen.“
    Die Rationalistin: „Das ist schon sehr riskant. Gibt’s nicht auch eine sicherere Version.“

    Vermutlich kommt die eine oder andere Warnung bekannt vor. Im Folgenden beschreibe ich drei Methoden, wie du mit damit umgehen kannst.

    Methode 1: Ein Dialog, der alles verändert

    Der Psychologe Friedemann Schulz von Thun hat das Persönlichkeitsmodell des inneren Teams entwickelt. Dabei stellt jedes Teammitglied einen Aspekt der eigenen Persönlichkeit dar.

    In inneren Dialogen, also in Selbstgesprächen, äußern sich diese Mitglieder entsprechend der Situation: Als Lehrer, Polizistin, Oma und eben als Kritiker.

    Statt gegen diese Stimmen zu kämpfen – was sie nur stärker macht – lernen wir, mit ihnen zu sprechen.

    Schritt 1: Die Stimme wahrnehmen

    Wenn der innere Kritiker das nächste Mal zuschlägt, halt inne. Nimm bewusst wahr: „Ah, da ist er wieder.“

    Schritt 2: Die Absicht verstehen

    Frag ihn: „Was willst du mir sagen? Wovor willst du mich schützen?“
    Oft kommt dann etwas wie: „Ich will nicht, dass du verletzt wirst“oder „Ich will, dass du sicher bist.“

    Schritt 3: Würdigen und Grenzen setzen

    „Danke, dass du auf mich aufpassen willst. Ich verstehe deine Sorge. Aber ich entscheide trotzdem, es zu versuchen.“

    Dialog mit dem Inneren Kritiker
    Ein Beispiel

    Innerer Kritiker: „Du kannst doch nicht 123 Euro für eine Stunde verlangen. Das ist viel zu viel!“

    Du: „Was genau bereitet dir Sorge?“

    Innerer Kritiker: „Die Leute werden denken, du wärst geldgierig. Oder größenwahnsinnig.“

    Du: „Ich verstehe. Du willst mich vor Ablehnung schützen. Danke, das ist lieb von dir! Aber ich weiß, dass meine Arbeit und Zeit wertvoll sind und ich einen angemessenen Preis dafür verlangen darf.“

    Methode 2: Die 10-10-10 Regel

    Die Journalistin Suzy Welch hat uns in ihrem 2009 erschienen Buch eine “neue Zauberformel für intelligente Lebensentscheidungen” an die Hand gegeben. Frage dich bei Zweifel, ob du etwas tun sollst:

    • Wie wird es sich anfühlen, wenn ich es in 10 Minuten nicht gemacht habe?
    • Wie in 10 Monaten?
    • Wie in 10 Jahren?

    Meist ist die Antwort klar: Das Bedauern, es nicht versucht zu haben, wiegt schwerer als das Risiko zu scheitern.

    Methode 3: Die Körpererfahrung

    Dein Körper zeigt dir oft sehr deutlich, was Sache ist. Wir wissen ja, dass er alle Erfahrungen abspeichert. Nachdem der Verstand dich nun davor schützen möchte, diese Erfahrungen zu wiederholen, findet er alle möglichen Gründe, dich von deinem Vorhaben abzuhalten.

    Was passiert, wenn du einmal die körperliche Reaktion zulässt, die beim Einwand deines Verstandes hast? Was lösen die Gedanken deiner inneren Kritikerin in deinem Körper aus?

    Was passiert, wenn du länger bei diesem Gefühl bleibst und es zulässt?

    Die Erfahrung zeigt, dass sich diese alten Verletzungen auflösen, wenn du deine Gefühle annimmst. Somit wird deinem Verstand die Basis seiner Sorge entzogen und sein Widerstand wird leise.

    You're capable of amazing things

    Kann mir der innere Kritiker in der Selbstständigkeit nutzen?

    Richtig nützlich ist dein Verstand dann, wenn du verinnerlicht hast, dass du nicht dein Verstand bist und dich nicht mehr mit deinen Gedanken identifizierst. Dazu habe ich bereits einen Blog-Artikel verfasst, in dem ich die Körpererfahrung noch etwas ausführlicher beschreibe.

    Einige Einwände werden sich auflösen und insgesamt wirst du dir deiner inneren Kritikerin immer mehr gewahr und bleibst handlungsfähig, trotz der Sorgen und Ängste, die sie dir vermitteln möchte.

    Du erinnerst dich, dass Mut nicht die Abwesenheit von Angst ist, sondern das Handeln trotz der Angst.

    Und du merkst: Die meisten deiner Befürchtungen treffen nie ein. Das Schlimmste, was passieren kann, ist meist viel harmloser als das, was dein Kopf dir vorspielt.

    Dein nächster Schritt

    Nimm dir diese Woche vor, einmal bewusst auf deine innere Kritikerin zu hören. Nicht, um ihr zu gehorchen, sondern um sie kennenzulernen.

    Beginne mit der Technik, die dich gerade am meisten angesprochen hat, und beobachte, was in dir passiert.
    Dann wage einen kleinen, mutigen Schritt in Richtung deines Herzensbusiness. Nur einen. Setze etwas um, das dich und dein Unternehmen weiter bringt.
    Beobachte wieder, was geschieht.

    Und siehe da: Der Nächste ergibt sich ganz von selbst.

    Wenn du merkst, dass dein innerer Kritiker besonders hartnäckig ist und dich seit Monaten oder Jahren blockiert, dann kann ein gemeinsames Gespräch hilfreich sein. In meinem kostenlosen Kennenlerntermin können wir uns ansehen, wo genau du feststeckst und wie du wieder in die Handlungsfähigkeit kommst.