Du bist nicht dein Verstand

Kürzlich hab ich mich wieder daran erinnert, dass ich mich wieder auf Basics besinnen sollte. Wie so oft kann alles sehr einfach sein, wenn man diese beherrscht und sich dieser ganz klar bewusst ist.

Eine der wichtigsten und fundamentalsten spirituellen Lehren ist: „Du bist nicht dein Verstand.“

Wenn man diese Weisheit wirklich verstanden und realisiert hat, dann hat man einen großen Schritt in Richtung Befreiung aus dem Leiden geschafft.

Viel zu oft lassen wir uns den ganzen Tag von unseren Gedanken berieseln – oder noch schlimmer: Wir nehmen sie für bare Münze und nehmen aktiv am Geplapper in unserem Kopf teil, das heißt wir führen Dialog mit unserem Verstand.

Die Krux daran: Wir merken es die wenigste Zeit.

Das führt dazu, dass wir uns oft mit Dingen beschäftigen, die mit der Situation im Hier und Jetzt nichts zu tun haben:

  • Wir sorgen uns um etwas, das erst in der Zukunft passieren wird.
  • Wir ärgern uns über eine Situation, die gestern passiert ist.
  • Wir analysieren, was jemand wie gemeint haben könnte.

Wir haben uns im Laufe unseres Lebens daran gewöhnt, uns mit unseren Gedanken zu identifizieren. Wir glauben, alles, was unser Verstand produziert, sei wahr und repräsentiere uns selbst. Wir hören die Stimme in unserem Kopf und halten sie für uns. Wir nehmen sie ernst, auch wenn sie uns kleinredet, ängstigt oder an alten Wunden kratzt.

Beobachte deinen Verstand wie Buddha.
Den Verstand wie ein Werkzeug benutzen

Dein Verstand ist ein Werkzeug

Doch der Verstand ist dazu da, um Informationen zu verarbeiten, Rückschlüsse zu ziehen, Situationen zu bewerten, zu kalkulieren und zu analysieren. Das ist seine Aufgabe, für die wir ihn ganz bewusst aktiv einsetzen können – und sollten.

Er ist somit nichts anderes als ein nützliches Tool – dem wir allerdings viel zu viel Macht über uns ergreifen lassen:

  • Wir lassen zu, dass er auf Autopilot Muster reproduziert, die wir irgendwann kreiert haben.
  • Er greift ganz unbeachtet auf Erfahrungen zurück, die vielleicht gar nicht mehr relevant sind.
  • Er hält uns hinterhältig, ohne dass wir es realisieren, in Geschichten fest, die längst vorbei sein könnten.

Was ist nun unser Weg aus dieser Gefangenschaft?

Werde zur Beobachterin deiner Gedanken

Sobald wir aber beginnen, unsere Gedanken zu beobachten, anstatt uns mit ihnen zu verwechseln, öffnet sich etwas Grundlegendes: Wir erkennen, dass wir nicht alles glauben müssen, was unser Verstand uns erzählt. Wir spüren, dass da ein Raum zwischen dem Ich und den Gedanken ist.

Aber wie gelingt es nun am einfachsten, diese Beobachterin zu werden?

Ja, das ist wohl der schwierigste Teil: Du musst dich dabei ertappen, wie du wieder einmal in deiner Gedankenwelt verfangen bist und in das Geplauder deines Verstandes unhinterfragt einsteigst.

Wenn wir mal in dieser Spirale drinnen sind, braucht es eine Sekunde der Erkenntnis, was gerade wieder passiert ist. Sobald das gelungen ist, kannst du dich distanzieren, wie es für dich am passendsten ist:

  • Beobachte dich selbst in der Situation. Wo bist du gerade?
  • Hinterfrage die Gedanken, denen du gerade gefolgt bist. Stimmen sie tatsächlich? Sind sie gerade jetzt relevant?
  • Spüre in dich hinein, was gerade da ist. Was fühlst du, während du diesen Gedanken nachhängst?

Die zweite Herausforderung ist, nicht wieder in das Gedankenkarussell zu verfallen.

Übung macht den Meister

Zu leicht schafft es unser Verstand, uns wieder einzufangen und in die nächste Geschichte zu verschleppen, die ihm wichtig erscheint.

Er möchte uns klein und uns im Leid gefangen halten und bringt deshalb immer irgendetwas ans Tageslicht, das aus dem Jetzt, in dem alles gut ist, wie es ist, in die Vergangenheit oder in die Zukunft befördert.

Im Hier und Jetzt zu bleiben, erfordert deshalb einiges an Übung.
Meditation ist eine gängige Praxis, der Fokus auf den Atem eine weitere.

Mit voller Aufmerksamkeit und Achtsamkeit etwas zu tun, ist eine weitere Möglichkeit, zu trainieren, sich vom Verstand zu befreien.

Nimm dir zum Beispiel einen Apfel und begutachte ihn in seiner vollen Schönheit. Nimm die Farben wahr, erkenne alle Flecken, rieche daran und erfreue dich an seinem Duft.

Oder bereite dir einen Tee oder Kaffee zu, indem du jeden Handgriff ganz bewusst ausführst. Spüre dabei die Bewegung in deinen Armen, fühle die Gegenstände, die du in die Hand nimmst. Welche Temperatur haben sie? Welche Konsistenz?

Je öfter du solche kleinen Übungen durchführst, desto bewusster gehst du durch den Tag und desto freier wirst du von deinem Verstand.

Du bist nicht dein Verstand
Spüre, was da ist.

Ablenkung von deinenThemen

Ein Grund, warum dein Verstand dich immer wieder fesselt, sind deine alten, unaufgelösten Themen.

Solange du dich nicht um diese kümmerst, wird dein innerer Kritiker Situationen finden und Erinnerungen hervorholen, in denen du dich verlieren kannst.

Natürlich kannst du dich mit diversen Coping-Mechanismen aus Gedankenspiralen kurzfristig befreien, allerdings werden die Themen immer wieder aufpoppen und dich belasten.

Zu den klassischen Ablenkungsmanövern gehören zum Beispiel:

  • Stopp sagen – sofern du dich in einem Karussell ertappst
  • aufschreiben, was dir durch den Kopf geht
  • auf deinen Atem konzentrieren
  • bewusstes Ablenken (fernsehen/streamen, lesen, Freunde treffen, …)

All das sind gute Möglichkeiten, um schnell wieder handlungsfähig und die – meist negativen – Gedanken kurzfristig loszuwerden.

Befreiung vom Verstand

Wenn du dich aber dauerhaft von deinen irritierenden, belastenden Gedanken befreien möchtest, musst du tiefer gehen.

Sobald du deine Verletzungen – von denen die meisten in deiner Kindheit passiert sind – aktiv auflöst, wird dein Verstand immer weniger Angriffsfläche haben.

Grundsätzlich empfehle ich dafür eine professionelle Begleitung (wie zum Beispiel mein energetisches Coaching), aber einen Teil kannst du auch selbst auflösen, indem du aktives Spüren praktizierst:

  • Wenn du in einer irritierenden Situation bist, nimm wahr, was in dir ist.
  • Was fühlst du? Wo spürst du es? Wie fühlt es sich an? Wie sieht es aus? Welche Eigenschaften hat es noch?
  • Lass‘ es zu. Lass‘ alles hochkommen, was da ist und was kommen möchte. Wut, Trauer, Angst – alles darf da sein und ausgelebt werden. Beachte aber dabei bitte, weder dich noch andere zu verletzen!

Bleibe so lange beim Spüren, bis du merkst, dass die Intensität nachlässt. Das kann manchmal sehr schnell gehen, kann aber – speziell wenn man damit erst beginnt – durchaus etwas länger dauern. Manchmal braucht man auch mehrere Durchgänge – es hängt immer davon ab, welche Erfahrung mit dem Fühlen bearbeitet wird.

(Hinweis: Solltest du dir unsicher sein, wie das geht, oder in deiner Vergangenheit Traumata erlebt haben, wende dich bitte an eine professionell geschulte Person deines Vertrauens (zum Beispiel Psychotherapeut:in, Lebens- und Sozialberater:in und Coachin). Selbstverständlich kannst du dich auch an mich wenden!)

Auf diese Weise kannst du nach und nach alle deine Themen auflösen. Denn die zweite spirituelle Lehre, dich ich als besonders wertvoll erachte, ist:

„Alles, was du voll erfahren hast, wird aufgelöst und geheilt – und zu guter Letzt zur Freude.“

In Kontakt mit CQ & Co

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