Das Wort „Trigger“ wird in den letzten Jahren immer häufiger verwendet – fast schon inflationär.
Wir wissen, was damit gemeint ist: Ein Trigger ist ein Auslöser. Wenn etwas im Außen passiert, dann löst das in uns unangenehme, irritierende Gefühle aus.
Aber die Abläufe dahinter verstehen nicht viele. Denn meistens machen wir dann den Auslöser selbst für unsere Reaktion verantwortlich.
Der kann allerdings nichts dafür, welche Gefühle in uns hochkommen.
Was beim Triggern passiert, ist, dass eine Situation im Jetzt im Unterbewusstsein eine Erfahrung aus der Vergangenheit reaktiviert. Inhaltlich müssen die Erlebnisse gar nichts miteinander zu tun haben, es reicht, dass irgendetwas ähnlich ist und damit ohne unser aktives Zutun die Erinnerung hochkocht.

Vergangene Gefühle aktuelle Gefühle
Auch muss unsere Reaktion an sich nicht die gleiche sein, wie damals, als die Erfahrung gemacht wurde. In den meisten Fällen kommen diese aus der Kindheit und waren Verletzungen durch unsere Eltern oder Erziehungsberechtigte und nahestehende Personen.
Somit waren wir sehr wahrscheinlich traurig oder hatten Angst. Im Jetzt reagieren wir aber unter Umständen wütend oder frustriert.
Dass unser aktuelles Gefühl somit mit unserer Vergangenheit zu tun hat, ist uns in der Hitze des Gefechts oft gar nicht bewusst. Wir haben uns im Laufe des Lebens eine Vorgehensweise zurecht gelegt, Strategien entwickelt, wie wir in Akutsituationen mit unseren Emotionen umgehen. Wir denken oft darüber nach, wie wir beim nächsten Mal (re)agieren möchten, selten überlegen wir uns, warum wir überhaupt aus der Bahn geworfen wurden.
Einige dieser Situationen sind uns ohnehin bekannt, dass sie uns nicht kalt lassen.
Pet Peeves
Vor einiger Zeit habe ich den Ausdruck „Pet Peeves“ kennenglernt. Laut Wikipedia definiert er sich wie folgt:
„Unter einem Pet Peeve versteht man im populären psychologischen Diskurs … ein triviales Ärgernis, das ein bestimmter Mensch als besonders verdrießlich empfindet, während andere an derselben Kleinigkeit keinen oder nur geringen Anstoß nehmen würden.“
Beispielhaft lassen sich hier nennen:
- offener Klodeckel
- in der Mitte gedrückte Zahnpastatube
- herumliegende Schmutzwäsche
- langsames Fahren auf der Überholspur
- langer Fingernagel am kleinen Finger
Pet Peeves sind oft mit bestimmten Verhaltensweisen von Personen verbunden, insbesondere von Menschen, die einem nahe stehen.
Über diese Dinge kann man sich ständig ärgern, ekeln oder sonst irgendwie irritiert sein. Ändern werden sich weder die Situation noch die Person, auch wenn man es sich noch so sehr wünscht oder einfordert.

Die zweitbeste Lösung
Insofern hilft es wenig, wenn wir uns ärgern und die Verusacherin darüber aufklären, dass das Kaffeehäferl nicht in die Abwasch sondern in den Geschirrspüler gehört. Sie wird ihr Verhalten nicht ändern, solange sie kein Bedürfnis danach hat.
Paul Watzlawick hat das auch schön in seiner Anleitung zum Unglücklichsein beschrieben: “Wenn du mich lieben würdest, würdest du <dieses und jenes> (nicht) tun.“
Nein, dem ist nicht so! Haare im Waschbecken sind kein Beweis für fehlende Zuneigung!
Nachdem wir nun aber andere Menschen nicht ändern können, bleibt uns nur das, was wir in meiner Coaching-Ausbildung als zweitbeste Lösung identifiziert haben:
Wir können nur an uns selbst arbeiten – und damit unsere Wahrnehmung und Realität ändern.

Gefühle zulassen und spüren
Auch diese Pet Peeves sind nichts anderes als Trigger: Irgendwelche unbewusst abgespeicherten Erfahrungen, die mit einem Gefühl verbunden sind.
Um sich von diesen zu dauerhaft zu befreien, gibt es einen sehr effektiven Weg:
Wir spüren. Alles, was da ist, darf sein.
Jede Wut, Ärger, Aggression. Traurigkeit, Verzweiflung, Ekel, Schmerzen. Angst.
Wir nehmen alles, was da ist, richtig wahr.
Nichts wird unterdrückt, nichts weggeschoben.
Nicht in Gedanken auf jemand anderen geschimpft.
Wir gehen mit unserer vollen Aufmerksamkeit in dieses Gefühl.
Wir spüren, wo es im Körper sitzt, wie es sich anfühlt und aussieht.
Es darf groß werden und sich Raum nehmen. Solange es möchte.
Bis es wie eine Seifenblase zerplatzt. Oder sich auch wie ein Nebel lichtet.
Alles darf sein. Nichts muss. Und auch hier gilt:
„Alles, was du voll erfahren hast, wird aufgelöst und geheilt.“
Hinweis: Fühlst du dich dabei unsicher, wende dich an eine:n Therapeut:in oder Coach:in deines Vertrauens. Auch ich stehe dir für Fragen und Unterstützung zur Verfügung.

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